Die abenteuerliche Reise in das ferne Reich der Sachsen
- Es war einmal….

(Der etwas andere Lehrgangsbericht)

 

 

Am Montag, den 02. August 2010, machten sich 4 ½ mutige Budokas (Rudi, Karlheinz, Kathrin, Sven und Moritz) aus ihrem Heimatdorf Penzberg auf, um in ein fernes Land zu reisen und dort von den, selbst in ihrer Heimat sehr bekannten und geschätzten, großen Senseis des Modern Arnis in die Lehre genommen zu werden. Ein mutiges Wagnis, wenn man bedenkt in welch gefährliches Territorium sie eindringen würden: Naunhof liegt bei Leipzig und Leipzig bekanntlich im Reich der Sachsen…

Rudi und Karlheinz, die „Weisen“, erklärten sich bereit die Pilgergruppe anzuführen, was sich jedoch gelegentlich als äußerst heikle Angelegenheit erwies, da die zwei selten einer Meinung waren, welcher Weg denn nun der schnellste wäre. Moritz, der aus Gründen der Größe nur als ½ Budoka angesehen werden kann, ertrug die mehrstündige Reise wohl am gelassensten; man durfte seine Meditation, die von drei merkwürdigen Fragezeichen geleitet wurde, nur in äußerst wichtigen Fällen unterbrechen, d.h. zur Nahrungsaufnahme.

Eine Pause gab es nur an einem von Rudi sorgsam ausgewählten Ort, so dass auch jeder Mitreisende die Energiereserven auf seine ganz eigene Art auffüllen konnte, sei es durch koffeinhaltige Heißgetränke oder gepresstes Fleisch zwischen zwei Brotscheiben dazu in dünne Scheiben geschnittene Erdäpfel.

Die verloren gegangene Zeit musste natürlich wieder reingeholt werden, schließlich war man ja nicht zum Vergnügen unterwegs. Nur leider war nach der ausgedehnten Erholungspause das allgemeine Gesamtgewicht um ein vielfaches angestiegen; weit über dem Wert, der ihr Gefährt zu einem Turbogang hätte ermutigen können. Zu allem Übel kam noch hinzu, dass nun auch langsam an der umliegenden Landschaft zu erkennen war, dass sie auf dem Weg in die Höhle des Löwen waren; es begann schrecklich zu regnen und nach dem Hinweis auf das betretene Territiorium wurde die Umgebung zunehmend dunkler.

Aber trotz allem Zeitverlust kamen die 4 ½ Penzberger Budokas wie erwartet viel zu früh bei ihrer knallorangen Herberge an.
Allen 4 ½ standen bereits die Schweißperlen auf der Stirn, als sie ihr weniges Hab und Gut (Foto) aus ihrem Karren hievten und auf einen der großen Senseis warteten, der sie zu weiterem Vorgehen unterweisen sollte. Und Torsten kam: „Groß“ war eine minimal übertrieben gewählte Formulierung, wenn man sein Körpermaß betrachtete, und auch nur geringfügig Angst einflößend. Die merkwürdigen Laute, die er anfangs von sich gab, wandelte er schnell ab in eine Mischung aus der allgemein verständlichen Sprache und diesem Genuschel; demnach dann auch für alle im Großen und Ganzen verständlich. „Gadhriin, duhsdä dia midde Sorah des Zimmoh deiln, nö!“ sprach er Kathrin an, die etwas verwirrt dreinschaute, aber höflich lächelte und nickte.

Nachdem man also festgestellt hatte, dass die anderen Teilnehmer alle recht normal, wenig gefährlich wirkten und man sich mit etwas Fantasie auch mit ihnen verständigen konnte, war der erste Schreck auch schon fast verflogen. Es wäre allerdings ratsamer gewesen, die mitgebrachte Vorsicht noch ein wenig länger beizubehalten, da schließlich nach dem Verstauen der Habseligkeiten auch schon die erste Trainingseinheit anstand. Hätten sie sich mal an die Gefährlichkeit und die Brutalität des Modern Arnis erinnert…

Zu Beginn schien alles noch ganz harmlos abzulaufen. Die Lehrzeit war feierlich eröffnet worden und alle Senseis vorgestellt. Aber schon nach den ersten Minuten der Trainingseinheit mussten bereits Hände verbunden und Zähne vor Schmerzen zusammengebissen werden. Dumm nur, dass man sich die Blessuren selbst zugefügt hatte!

Das anschließende Essen bedarf keines großen Kommentars bezüglich Geschmack oder Nahrhaftigkeit; die Budokas waren sich sicher: Ein wenig auf die Linie zu achten hätte noch keinem geschadet. So fand der erste Abend ein schnelles und ruhiges Ende für unsere Freunde, da sie sich nicht so Recht trauen wollten, den großen Senseis und ihrem Gefolge Gesellschaft zu leisten.

Der neue Tag begann schwerfällig für die 4 ½. Mit schweren Gliedern und schmerzenden Wunden quälten sie sich aus ihren Betten und wagten auch nur gemeinsam den Auftritt beim Frühstück. Sachte wurden die ersten Gespräche mit den Fremden begonnen und man kam doch auch hin und wieder ins Gespräch.

Besonders auflockernd für die allgemeine Stimmung unter den Budokas war wohl auch die erste Trainingseinheit an diesem Tag, die dem Sport-Bogenschießen gewidmet war. Hierzu mussten allerdings alle in diesen Bunker von Schießanlage, was für einige ein scheinbar unüberwindbares Hindernis darstellte. Aber auch dieses war nach den ersten Treffern auf die Zielscheibe erfolgreich genommen. Das flaue Gefühl im Magen, wie genau man sich denn an die festgelegte Schießrichtung halten würde, blieb jedoch für die ganzen weiteren 2 ½ Stunden bestehen.

Die Ruhezeit zwischen den Einheiten nutzen alle dazu, sich nach dem Essen noch einmal etwas hinzulegen und ein wenig zu schlafen. Schließlich stand für den Nachmittag noch eine schmerzhafte und schweißtreibende Arnis-Einheit an. Dieses Ritual (Trainieren-Essen-Schlafen) wurde während der gesamten Lehrgangswoche beibehalten.

Der dritte Tag sollte der allgemeinen Erholung dienen. Eine aufregende Besichtigung der von den Sachsen eingefangenen Bestien von Nah und Fern mit anschließender Bewunderung der nahegelegenen Altstadt von Leipzig stand auf dem Programm.

Rudi wollte sich auch diesmal wieder von seiner besten Seite zeigen, kleidete sich dementsprechend (un-?)angemessen, übertrug aber wenigstens Karlheinz den Part „nerviger Tourist mit Kamera“. Nicht gerechnet hatte er allerdings mit seiner Tochter Kathrin und dem kleinen Moritz, die ebenso gut dastehen wollten wie er und das angebotene Programm komplett auszunutzen gedachten, d.h. im Klartext: Sie verwandelten sich zu Beginn der Zooführung in eine Schlange und einen „Diescher“(Foto), wie die Einheimischen dort zu sagen pflegten. Sie vergaßen dabei jedoch, dass einige der Senseis sich daraufhin bei den zuständigen Zoo-Mitarbeitern meldeten, um die zwei in artgerechte Gehege zu befördern. Erst nach langer und intensiver Überzeugungsarbeit konnte davon abgesehen werden.

Noch um einiges interessanter war der Auftritt der beiden Verwandelten später in der Altstadt von Leipzig. Die Budokas wimmelten das verängstigte Stadtvolk nur mit den Worten „der Diescher is wieda bei seene Biescher“(Foto evtl.) ab, wobei sie von diesen nur noch verständnislosere Blicke ernteten.

Eine riesen Portion Eis, ein Gesamtwerk Goethes und der Auerbach’s Keller später, hatten jedoch alle auch diesen anstrengenden Teil des Tages ohne größere Verletzungen überstanden, mit Ausnahme einer hoch ansteckenden Müdigkeit, die fast die gesamte Gruppe auf der Rückkehr in die Herberge übermannte. Diese war aber im Hinblick auf den bevorstehenden Abend auch schnell wieder verflogen:

Der kulturelle Teil des Abends war zwar sehr verwunderlich (eine improvisierte Tanzeinlage einer Schule aus Jerusalem, die dazu auch noch süße Speisen servierte und einige unserer Gruppe zu einem Zweikampf herausforderte, nachdem sie feststellen musste, dass die Vorführung der Budokas um Welten besser war als ihre eigene), doch das gemeinsam bereitete Festmahl, wenn man das so nennen kann, sollte ein großer Erfolg werden.
Die Zubereitung am offenen Feuer übernahm schließlich und endlich nur einer: Torsten! Und all die anderen? Die haben sich der Völlerei hingegeben. Für Torsten blieb am Ende noch genau eine Wurst übrig. (Arbeitsteilung ist doch was Schönes!) Das anschließende Lagerfeuer wurde auch geteilt: mit pubertierenden Jung-Müttern, die ebenfalls in der Herberge weilten.

Als diese die Feuerstelle verließen, kam die Runde richtig in Stimmung. Es wurde gemeinsam gesungen, geredet und gefeiert. Zur allgemeinen Belustigung trug besonders der Sprachunterricht von „Dorschdn“ für „Gadhriin“ bei. Man kann also von einem durchaus gelungenen Abend sprechen, den jeder als schönen Traum mit in den tiefen Schlummer nahm.

Der Donnerstag verlief recht routiniert:
Essen-Schlafen-Trainieren-Essen-Schlafen-…


Das Nachmittags-Training war eine kleine Besonderheit: Torsten gab den Hausfrauen Nachhilfe im Umgang mit dem Küchenmesser und zeigte den werten Ehemännern, wie sie sich im Fall der Fälle unbeschadet aus der Affäre ziehen könnten…
-Essen-Trinken-Schlafen….

Gefolgt vom Freitag:
Essen-Schlafen-Trainieren-Essen-Schlafen-Trainieren-Essen-Trinken-Schlafen…
(hier müssen die allgemeinen Erschöpfungszustände berücksichtigt werden!)

und am Samstag ging alles Zack-Zack:
Die Koffer wurden gepackt, die Kammern geräumt, die Karren beladen, letzter Klatsch getauscht, viele Versprechungen gemacht, jedem gedankt und auf die Schulter geklopft, ein kurzes „schnief“, ein schnelles „schluchz“ und schwuppdiwupp waren alle wieder auf dem Nachhauseweg (auf dem Rudi und Karlheinz wieder einmal über den richtigen Weg philosophierten).

Kurzum:
Die Woche war viel zu schnell vorbei!
Wir haben wahnsinnig viel gelernt, aber eines besonders behalten: Sachsen sind Spitze!!! J
Ein dickes Dankeschön geht hiermit noch mal an Torsten und Torsten, Wolfgang und seine Frau, Roland, Ralf und Ralf, Bruno und an all die anderen liebenswerten Menschen, die wir wiedersehen, kennenlernen und mit denen wir trainieren durften!

und wenn sie nicht gestorben sind, dann stockeln sie noch heute….

 

Text: Der Diescher
Fotos: Karlheinz Hauswurz

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